Herrenmoos + Alpentines

Freitag, 18. Januar | Einlass : 20:00 Uhr | Eintritt : 5€

Ein Abend mit Herrenmoos (Datteln/Waltrop, Ruhrgebiet) und Alpentines (Köln)

HERRENMOOS:
Mit Songs über Freundschaft, Mitläufer, Weltanschauung, die Weisheit im Alter und die Qualen der Vergangenheit, über Emotionen und das einfache Sein. Mit deutschen Texten – ungezwungen, nicht authentisch – wie soll das auch gehen, absolut deutsch klingen zu wollen. Es reicht doch die deutsche Sprache, die so schön wundervoll ist. Eine gitarrenlastige Trompeten-Melange, die ohne die Neue Deutsche Welle nicht denkbar wäre, sich aber mehr auf die so genannte Hamburger Schule beruft, ohne es ihr gleichzutun. Stilistisch ist Herrenmoos die härtere Schnittmenge aus Element of Crime und Die Sterne: Pop-Musik mit deutschen Texten und Trompete.

ALPENTINES:
Die Band, die sich aus allen Himmelsrichtungen kommend in Köln formierte, atmet Geschichte „relativ erfolglosen Musikmachens“, obwohl das Kenner anders beschreiben würden. Die vier Musiker spielten bei Bands, die knapp unter dem Radar des großen Musikzirkus bereits Großes geleistet haben – Tulp, Voltaire und Lichter. Die Prämisse der Alpentines war eine gewisse Scheiß-Egal-Haltung, eine Nicht-Erwartung und damit einhergehend ein großer Freiraum, das zu tun, was – nach einer EP im Mai 2016 – schließlich im Bremer Studio Nord und dem eigenen in Köln zum ersten Album wurde. In stillem Einvernehmen mit ganz großen Namen der Musikgeschichte arbeiten sich Alpentines an Themen des Ich und Du ab. Der Blick nach innen folgt dem nach außen, Politik macht etwas mit dir, ebenso wie die Menschen um dich herum. Verdrossenheit, Angst und Verzweiflung werden mit Reflexion oder Reaktion gekontert. Spiritualität hat hier ebenso einen Platz wie die Flucht in die kleinste Beziehungseinheit. Wahrheiten werden ausgesprochen und akzeptiert. Das alles kann diese Musik und sie traut es sich. Oder wie Sänger Kay es formuliert: „Es ist OK, auch mal einfach ratlos zu sein, oder innezuhalten. Es geht um das Infragestellen der eigenen Wahrnehmung und nicht um simple Erklärungsmuster.“  Der musikalische Rahmen, wenn schon Referenzen sein müssen, wurde aus den Tugenden von Bands wie Elbow, Wilco oder frühen Radiohead gezimmert, ergänzt durch produktionstechnische Opulenz, Bläser, majestätische Soundscapes und intelligent verzahnte Gitarren. Das Titelstück schwingt sich innerhalb von drei Minuten von einer countryesken Ballade über die Entfremdung innerhalb einer Beziehung zum epischen Großformat auf. „It Opens“ lautmalt in schwelgerischen Klängen das offene Meer vor dem geistigen Auge. Das breitwandige Finale von „OL 35“ lässt die 1970er eines Alan Parsons auferstehen. Die „Dark Days“ zerren im düsteren Takt der unbarmherzigen sozialen Medien das Hier und Jetzt auf die Bühne. Da sind der scheinbar fröhliche Zausel in „Mount Molehill“, der sein Leben barfuß verlässt, und das eigenartige Mantra im Refrain des cleveren „Fragile“, dessen Strophenthema, die Liebe, eher ein Ablenkungsmanöver zu sein scheint. Und auch das seltsam ätherische Schweben in „Yoga Yassin“ existiert nicht im luftleeren Raum, es dringt vielmehr tief ins Bewusstsein des Hörers ein. Alpentines haben mehr als die Summe eines Albums geschaffen. Und darum geht es.