Thomas Godoj

Freitag, 26. Mai 2017 | Einlass : 19:30 | VVK 25,- AK 30,-
Mundwerk - Tour 2017

Thomas Godoj  | Ticketmaster

„Hallo Zeit, wo bist du nur geblieben?“ – in diesen schnelllebigen Zeiten sicher eine Frage, die wir uns alle häufiger stellen. Thomas Godoj eröffnet mit genau dieser Frage sein neues Album „Mundwerk“ und gibt im Opener schon den thematischen Rahmen vor, der sich in den anderen Tracks fortsetzen wird. Nach fünf Studioalben ist es an der Zeit Bilanz zu ziehen, wo er steht und auf das zurückzuschauen, was war. In „Hallo Zeit“ führt er ein Zwiegespräch mit der Zeit, und stellt fest, dass er es versäumt hat, sie häufiger bewusst zu erleben. Er hört jedoch auf seine innere Stimme und sein Bauchgefühl und blickt nach vorn: „Endlich wieder leben“. Auch musikalisch geht der Song mit Punch und viel Wärme nach vorne.

„Mundwerk“ ist nach „Plan A!“ (2008), „Richtung G“ (2009) „So gewollt“ (2011), „Männer sind so“ (2013) und „V“ (2014) das inzwischen sechste Studioalbum des charismatischen Sängers, der darüber hinaus auch die Live-CD/DVD „Live aus‘m Pott“ (2012) sowie das Akustik-Album „V’Stärker Aus“ (2015) veröffentlicht hat. Der Albumtitel sowie der Text des gleichnamigen Tracks beschreiben das, was Thomas Godoj ausmacht: sein Instrument und sein Kapital – die warme und kraftvolle Stimme, mit der er seinen deutschen Rocksongs emotionale Tiefe verleiht. Der Titel verweist gleichzeitig auch auf die vielen Räder, die ununterbrochen ineinandergreifen und rotieren müssen, um sich in der heutigen Zeit im Musikbusiness behaupten zu können. Um das Ganze auch visuell als Gesamtkunstwerk umzusetzen, ließ der Musiker sich für das Albumcover von der Bodypainting-Künstlerin Gesine Marwedel sein „Mundwerk“ auf den Körper malen und gewährt dabei – wie in seinen Songs – einen Blick in sein Inneres und auch auf das bereits erwähnte Herz. Sinnbild auch für das Herzblut und die Leidenschaft mit dem er seine Karriere Jahr um Jahr vorantreibt.

In seinen deutschen Texten, die eine klare und direkte Sprache auszeichnet, thematisiert der Musiker vor allem Zwischenmenschliches – Beziehung, Freundschaft, Liebe – singt von der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird und übt auch Kritik an der Gesellschaft. So bringt er auch in der ersten Single „Mensch sein“ (VÖ 01.07.16) in klaren und beeindruckenden Worten auf den Punkt, was in heutigen Zeiten, in der die Welt und auch jeder Einzelne jeden Tag vor nahezu unüberwindlichen Herausforderungen steht, unser oberstes Ziel sein sollte: die Menschlichkeit bewahren und leben – eben einfach „Mensch sein“. Manchmal sollten wir uns vielleicht auch vor Augen halten, wie ein Kind sich fühlt und wie es Entscheidungen fällt: ohne jede erst hundert Mal im Kopf zu hinterfragen und ohne Angst davor, sie zu bereuen. In „Wildes Herz“ singt Godoj „junge Herzen laufen immer drauf los, wild und egal wie weit“. Vielleicht sollten wir auch als Erwachsene diesem Instinkt häufiger folgen.

Musikalisch führt Thomas mit „Mundwerk“ konsequent seinen Weg der letzten Jahre weiter und bewegt sich, wie schon auf seinen bisherigen Alben zwischen gitarrenlastigem Rock und eingängigem Pop. Er experimentiert aber auch mit neuen Einflüssen und elektronischen Elementen, um den Sound weiterzuentwickeln, ohne sich unnötig von dem zu entfernen, was ihn auszeichnet. So holte er sich für den bereits erwähnten Titeltrack auch Unterstützung vom Berliner Rapper Said Hoodrich. Eine Kooperation, die überraschen mag, aber eine Mischung, die verdammt gut klingt